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- 1918 - Portugiesen

Die Portugiesen im Ersten Weltkrieg

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Die junge, nach der Revolution von 1910 gegründete Republik Portugal sagte Großbritannien im August 1914 materielle Unterstützung und die Entsendung eigener Truppen zu. Obwohl sie offiziell neutral war, rechtfertigte die portugiesische Regierung die Beteiligung am Krieg mit einem alten Allianz-Abkommen der beiden Länder, das 1912 erneuert worden war.

Mit der Teilnahme am Ersten Weltkrieg auf der Seite der Briten versuchte Portugal, seine afrikanische Kolonien (Angola und Mozambique) zu schützen, die 1898 Bestandteil eines geheimen Abkommens zwischen den Briten und den Deutschen gewesen waren. Zudem wollte Portugal seinen Eintritt in die Riege der europäischen Nationen unterstreichen. Das Mitwirken auf internationaler Ebene wurde als Mittel zur Stärkung der nationalen Einheit wahrgenommen. Schließlich sollte die Legitimität des republikanischen Regimes gefestigt werden, das zu dem Zeitpunkt durch monarchistische Bewegungen und große wirtschaftliche Schwierigkeiten bedroht war.

Der britische Generalstab begnügte sich zunächst mit der materiellen Hilfe Portugals. Die Führung blieb skeptisch, ob der Einsatz der jungen portugiesischen Republik in den Kampfhandlungen den alliierten Kräften wirklich nutzen würde. Die wachsenden logistischen Probleme der Alliierten veranlassten Großbritannien jedoch dazu, im Dezember 1915 die Beschlagnahmung aller in portugiesischen Häfen ankernden deutschen Schiffe zu erbitten. Dieser Bitte entsprach die Regierung am 24. Februar 1916, worauf Deutschland Portugal am 9. März den Krieg erklärte.

Nachdem es Frankreich gelungen war, die britischen Alliierten davon zu überzeugen, die Verstärkung von den Portugiesen anzunehmen, wurde ein portugiesisches Expeditionskorps zusammengestellt und entsprechend gedrillt. Das von General Fernando Tamagnini geführte Korps traf im Februar 1917 in der bretonischen Hafenstadt Brest ein, wurde in Aire-sur-la-Lys im Pas de Calais stationiert und dem 11. Korps der 1. britischen Armee unter Oberbefehlshaber General Henry Horne angegliedert. Im Oktober 1917 bestand das portugiesische Korps aus etwa 56.500 Soldaten.

Im November 1917 setzte General Horne die Portugiesen zur Verteidigung des elf Kilometer breiten Frontstreifens von Laventie bis Festubert im französischen Teil Flanderns ein. Das portugiesische Hauptquartier wurde in Saint-Venant eingerichtet. Das zu verteidigende Gebiet, eine Ebene zwischen der Leie und dem La Bassée-Kanal, war sehr feucht und schlammig, wodurch sich die Moral der portugiesischen Truppen schnell verschlechterte. Den Soldaten fiel es sehr schwer, sich an das harte Klima im Winter 1917/18 zu gewöhnen. Im Dezember 1917 wurde die portugiesische Regierung durch einen Putsch gestürzt und Sidonio Pais zum Präsidenten erklärt. Die neue Regierung stellte die portugiesische Unterstützung der Alliierten in Frage und lockerte die Bestimmungen hinsichtlich des Heimaturlaubs, wovon die Soldaten gerne Gebrauch machten. Das Korps verfügte in der Folge über immer weniger Offiziere zur Führung der Truppe. Die Entsendung neuer Truppen von Portugal nach Flandern wurde zudem immer schwieriger, da Großbritannien mit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im April 1917 seine gesamte Flotte für den Transport amerikanischer Soldaten verwendete. In der Konsequenz traten im portugiesischen Korps immer häufiger Fälle von Gehorsamsverweigerung auf.

Als die Schlacht an der Leie am 9. April 1918 ausbrach, mussten die beiden unvollständig besetzten und schlecht geführten Divisionen der Portugiesen etwa zehn deutschen Divisionen in drei Linien gegenübertreten. Trotz punktuellen Widerstands überrannten die Deutschen während der „Operation Georgette“ die portugiesischen Stellungen. Wenige Tage später wurden die übrigen portugiesischen Einheiten zur Unterstützung der 14. und 16. britischen Division zwischen Lillers und Steenbecque beordert. Dort formierte man sie zu einer einzigen Division um und setzte sie während der alliierten Offensive von 1918 ein. Als am 11. November 1918 die Waffenruhe angeordnet wurde, hatten die Portugiesen die Schelde erreicht und waren nach Belgien vorgedrungen.

Von knapp 56.500 portugiesischen Kriegsteilnehmern an der Westfront hatte das Land 1918 etwa 2.100 Tote, 5.200 Verletzte und 7.000 Gefangene zu beklagen.

Auf dem portugiesischen Militärfriedhof von Richebourg ruhen 1.831 Soldaten, von denen die meisten in der Schlacht an der Leie gefallen sind. Er wurde zum Symbol des Einsatzes Portugals im Ersten Weltkrieg.

 Edouard ROOSE