Die Spuren des Ersten Weltkrieges

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An vielen Orten in Nordfrankreich hat der Erste Weltkrieg deutliche Spuren hinterlassen. Manches davon lässt sich heute allerdings nur noch erahnen – so sind die ehemaligen Schützengräben und Kraterfelder für Laien kaum noch zu sehen. Wer mit der Landschaft etwas vertraut ist, sie zu “lesen” vermag, der erkennt jedoch, wie das Kriegsgeschehen das Land formte und veränderte. Unterirdische Gänge und Gruben sind weitere Zeugnisse der Zeit, sie lassen sich leichter finden, zum Beispiel in Arras, aber auch in Vimy, Loos und Fromelles. Daneben erinnern historische Orte wie die einstigen Hauptquartiere, Denkmäler oder auch das Monument „La Pierre d’Haudroy“ an die Jahre 1914 bis 1918.

Zu den sichtbarsten Hinterlassenschaften zählen die vielen Militärfriedhöfe, die zu unterschiedlichen Zeiten und Anlässen in Nordfrankreich angelegt wurden: Hunderte von ihnen gibt es alleine im Nord-Pas de Calais. Manche davon waren während des Kriegs in der Nähe der Front entstanden, andere gehörten zu Krankenhausanlagen im Hinterland. Mehrere kleinere Gräberfelder wurden nach Kriegsende zu größeren Anlagen zusammengelegt. Die Friedhöfe wurden als Orte der Trauer und Erinnerung für die Familien der gefallenen Soldaten geschaffen. Gleichzeitig dienten und dienen sie zur nationalen Erinnerung an den Krieg.  

Die Grabanlagen der verschiedenen Nationen sind zwar unterschiedlich gestaltet, folgen aber grundsätzlich alle dem gleichen Prinzip: Jedem Toten soll die gleiche Anerkennung und das gleiche Gedenken zukommen. Einige Beispiele: Bei den Briten sind alle Grabsteine identisch, bei den französischen, amerikanischen und deutschen Friedhöfen bestimmt dagegen die religiöse Zugehörigkeit die Form (Kreuz oder Stele mit Davidstern oder Halbmond). Die Inschriften beinhalten den Familiennamen des Soldaten, den Vornamen, den Dienstgrad, die Einheit und das Todesdatum. Die Franzosen haben noch den Zusatz „Mort pour la France“ („gestorben für Frankreich“) ergänzt. Die Briten nennen zudem das Regimentsabzeichen, die Kennnummer, das Alter und drei von der Familie des Opfers ausgewählte Zeilen. Jeder britische Friedhof besitzt drei Elemente: Das Opferkreuz, den „Stein der Erinnerung“, ein Besucherhäuschen mit dem Gräberregister sowie ein Gästebuch, in das sich Besucher eintragen können. Soldaten, die nicht identifiziert werden konnten, sind oft in so genannten Beinhäusern beigesetzt worden, die man in der Nähe der Massengräber errichtet hat.

Von Yves Le Maner,
Direktor La Coupole,
Zentrum für Geschichte und Erinnerung in Nord-Pas-de-Calais