Die Panzer

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Der Erste Weltkrieg beschleunigte die Entwicklung und Verbreitung von Panzern. Erfunden worden waren sie aber bereits früher: Während des Krimkriegs 1854 tauchte auf dem Schlachtfeld plötzlich ein Dampftraktor auf, der auf zwei Raupen montiert war, mit denen man auch auf feuchten und schlammigen Böden gut vorwärts kam. Die Firma Austro-Daimler, eine österreichische Tochtergesellschaft der deutschen Daimler-Motoren-Gesellschaft, entwickelte daraufhin ab 1899 einen Panzerwagen, den die französische Armee kaufte, nachdem der österreichisch-ungarische Kaiser ihn als unbrauchbare Erfindung abgetan hatte. Das Fahrzeug war mit zwei Maschinengewehren und einer Panzerung ausgestattet, die vor Kugeln schützten sollte. Zunächst wurde die neue Waffe zwiespältig aufgenommen. Der britische Feldmarschall Horatio Kitchener, der 1914 zum Kriegsminister ernannt wurde, hielt den Panzer etwa zunächst für ein „nettes mechanisches Spielzeug.“

Viele Offiziere der britischen Armee wiesen jedoch auf die Vorteile des Gefährts bei einem Grabenkrieg hin. Die ersten Versuche der Briten zeigten, dass der Panzer in der Lage war, die dichten Stacheldrahtverhaue zu überqueren, die die Gräben schützten. Das überzeugte schließlich die Politiker und das Militär. Im Sommer 1915 wurde heimlich mit der Produktion der Panzer begonnen. Man gab ihnen den Codenamen „tank“, weil sie zunächst tatsächlich aussahen wie große Wassertanks. Die erste Maschine mit dem Namen Little Willie wog fast 14 Tonnen und erreichte eine Geschwindigkeit von drei Stundenkilometern. Er ähnelte weit mehr einem gepanzerten Fahrzeug als einem richtigen Kampfpanzer. Entsprechend ungeeignet erwies er sich zur Überwindung der Schützengräben. Im Juni 1916 startete daher die Produktion des Modells „Mark I“. Dieser Typ war zwar länger und schwerer, aber dennoch schneller. Außerdem kam er dank seiner Trapezform gut über die Gräben.

Die Feuertaufe des neuen Tanks fand am 15. September 1916 beim britischen Angriff auf Flers-Courcelette im Rahmen der Schlacht an der Somme statt. Nach weiteren Einsätze legte der britische Generalstab nach und nach die strategische Funktion der Panzer im Schlachtablauf fest: Sie sollten den Sturmtruppen vorausfahren, die Stacheldrahtfelder niederwalzen und die Soldaten vor feindlichem Feuer schützen. Während der Schlacht von Arras (Schlacht von Bullecourt) im April 1917 zeigte sich, dass ihr Einsatz ein sehr schwieriges Unterfangen war: Im Niemandsland konnten die Panzer sich nur langsam fortbewegen und boten den deutlich schnelleren Soldaten häufig keinen Schutz oder wurden von der feindlichen Artillerie ausgeschaltet. Außerdem häuften sich mechanische Pannen.

Im Januar 1916 gab die französische Armee bei den Firmen Schneider und Saint Chamond 800 Tanks in Auftrag. In Geländetests wies diese erste Baureihe die gleichen Probleme wie ihre britischen Pendants auf. Der erste Panzereinsatz der französischen Armee fand im April 1917 bei der Nivelle-Offensive auf dem Chemin des Dames statt. Die Tanks waren allerdings nicht in der Lage, die Gräben zu überqueren, und wurden von der deutschen Artillerie außer Gefecht gesetzt.

Der massive Einsatz von Panzern der neuen Generation „Mark IV“ bei der Schlacht von Cambrai im November 1917 ermöglichte der britischen Armee indessen einen deutlichen Vormarsch in die feindlichen Linien. Darüber hinaus wurden sich die Alliierten der wichtigen Rolle bewusst, die der Panzer in zukünftigen Schlachten spielen könnte, vor allem bei einer Rückkehr zum Bewegungskrieg. Entsprechend zügig wurde die Entwicklung weiterer Modelle in Angriff genommen und die Produktion sowohl in Großbritannien als auch in Frankreich forciert. Die französische Armee deckte sich mit Panzern des kleinen und wendigen Typs Renault FT-17 ein. Auch die amerikanische und die italienische Armee rüsteten damit auf. Zwischen 1917 und 1918 wurden mehr als 3.500 Stück gebaut, von denen viele bei der Schlacht an der Marne zum Einsatz kamen.

Erstaunlicherweise zeigt die deutsche Armee nur wenig Interesse für die neue Waffe. Während des gesamten Ersten Weltkrieges wurden in Deutschland nur etwa 20 Panzer hergestellt. Allerdings beschlagnahmten die Deutschen in der Schlacht von Cambrai zahlreiche britische Tanks vom Typ Mark IV. Später entwickelten sie ein eigenes Modell, den A7V. Er stellte sich jedoch aufgrund seines Aufbaus und Gewichts als vollkommen ungeeignet heraus. Der erste direkte Kampf „Panzer gegen Panzer“ der Geschichte fand am 24. April 1918 in Villers-Bretonneux im Departement Somme statt.

Im Laufe des Jahres 1918 konkretisierte sich die strategische Rolle der Panzer im Krieg. Nachdem die britische Armee im Juli 1917 ein Panzerkorps gegründet hatte, legte dessen Generalmajor John Fuller eine neue Strategie fest, in der die Panzerwaffe eine zentrale Rolle spielte. Fuller war überzeugt davon, dass eine Ära des „mechanischen Krieges“ angebrochen war. Für das Jahr 1919 plädierte er für den massiven Einsatz von Panzern, dicht gefolgt von der Infanterie. Diese sollte jedoch nicht wie bisher in erster Linie die feindlichen Stellungen einnehmen, sondern so schnell wie möglich zu den gegnerischen Artillerieständen und Kommandostellen vordringen und diese zerstören. Nach dem Krieg entwickelte Fuller seine Taktik weiter, insbesondere durch die Integration der Luftwaffe. Häufig wird behauptet, die deutsche Wehrmacht habe sich auf Fullers Strategie bezogen, als sie später den berüchtigten „Blitzkrieg“ erfand.

 Edouard ROOSE