Die zunehmende Bedeutung der britischen Armee

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Die britische Armee erlitt während der ersten Monate des Konflikts beträchtliche Verluste. Obwohl sie sich durch ihre Professionalität im Vergleich zu den durch Wehrpflicht massenhaft rekrutierenden Armeen des Kontinents auszeichnete, war das Expeditionskorps zu klein und brachte sich in seiner untergeordneten Funktion gegenüber den französischen Verbündeten in eine schwierige Situation. Das änderte sich erst nach seiner totalen Neuorganisation im Jahr 1915, in deren Folge es erstarkte, effektiver wurde und eine zunehmend wichtige Rolle spielte.

Neben ihrem Einsatz im französischen Teil von Flandern ab Herbst 1914 lösten die britischen Truppen Anfang 1916 die Franzosen auch im Artois ab. Fortan sicherten die Briten die Verteidigung eines breiten Frontgebiets, das von Ypern im Norden bis zur Somme im Süden reichte. Während sie im April 1915 nur 36 Kilometer der Westfront kontrollierten, waren es im September 1915 mit dem Abschnitt Gohelle bis Vimy bereits 75 und im Frühjahr 1916 85 Kilometer. Ende 1914 hatten die Briten zehn Divisionen aufgestellt. Ende 1916 waren es bereits 59. Die für die Franzosen anfangs zweitrangige britische Unterstützung wurde ab Sommer 1916 entscheidend für die Verteidigung der Westfront.

Der beachtliche Ausbau der britischen Kräfte folgte dem Aufruf zum freiwilligen Dienst sowie der späteren Einberufung. Dazu wurde die Feuerkraft ständig mit schweren (Vickers) und leichteren (Lewis) Maschinengewehren, Handgranaten und Artillerie aller Kaliber verstärkt. Im Oktober 1915 gründeten die Briten ein Maschinengewehrkorps, dem 1918 etwa 130.000 Soldaten angehörten. Nach den ersten Massakern des Krieges erkannten die britischen Generäle, ebenso wie ihre französischen und deutschen Pendants, die entscheidende Rolle der Artillerie. Sie wurde als das einzige Mittel angesehen, das die immer raffinierter werdenden Verteidigungsanlagen durchbrechen könnte.

Am Anfang des Konflikts war die Überlegenheit der Deutschen auf diesem Gebiet unbestreitbar. Die Schwäche der Briten wurde vor allem nach den Niederlagen im Frühling 1915 in Neuve-Chapelle, Ypern und Festubert deutlich. Als Folge steigerte nicht nur die Kriegsindustrie die Zahl der Geschütze von 410 im Jahr 1914 auf 6.404 im Jahr 1918. Die britische Armee vergrößerte ihre Stärke im gleichen Zeitraum von 93.000 auf 548.000 Soldaten im Artilleriekorps.

Der Ausdruck „britische Armee“ bezieht sowohl die Kämpfer des Vereinigten Königreichs, als auch die aus den britischen Überseegebieten mit ein, also Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika. Diese Soldaten hatten bei den Generalstäben schnell den Ruf, eifrig und ausdauernd zu sein, was ihren Einsatz in vielen Offensiven der ersten Angriffswelle erklärt.

Yves LE MANER
Direktor von La Coupole,
                                                          Zentrum für Geschichte und Erinnerung im Nord-Pas de Calais