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Pascal Mor
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Das Viktoriakreuz

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Das Viktoriakreuz (Victoria Cross) ist die höchste militärische Auszeichnung Großbritanniens. Es wird seit 1856 an Einzelpersonen für „herausragende Tapferkeit im Angesicht des Feindes“ verliehen.

Prinz Albert und Königin Viktoria stifteten diese prestigeträchtige Auszeichnung nach dem Krimkrieg, um jeden Soldaten unabhängig von seinem Rang für seine Verdienste auf dem Schlachtfeld zu ehren. Bis dahin war der Bath-Orden die bedeutendste Auszeichnung. Er war aber den höheren Offizieren der Armee des Britischen Empires vorbehalten und wurde über Empfehlungen verliehen. Die einfachen Soldaten konnten lediglich auf eine Medaille hoffen, die unabhängig vom Stand für ihren Einsatz auf dem Schlachtfeld verliehen wurde.

Die Bedingungen für die Vergabe des Viktoriakreuzes sind in der 1857 von Prinz Albert verfassten Königlichen Ernennungsurkunde (Royal Warrant) festgehalten: Die Einzelauszeichnung ist Soldaten der Armeen des Commonwealth und dessen Alliierten vorbehalten. Sie wird auf Empfehlung von drei Zeugen verliehen, die an der Aktion beteiligt waren, in der sich der Empfänger ausgezeichnet hat. Soll eine ganze Gruppe von Soldaten geehrt werden, muss diese einen der ihren als Empfänger der Medaille auswählen. Das Viktoriakreuz kann auch posthum verliehen werden. Die Medaille wird normalerweise vom König oder der Königin persönlich überreicht. Die Empfänger sind fortan berechtigt, die Bezeichnung „VC“ hinter ihrem Namen zu führen.

Der Legende nach wird die Medaille aus der Bronze von zwei chinesischen Kanonen hergestellt, die nach der Schlacht von Sewastopol 1854 von der russischen Armee konfisziert wurden. Diese Schlacht steht für eine Wende im Krimkrieg, in dem sich von 1854 bis 1856 das mit dem Vereinigten Königreich und Frankreich verbündete Osmanische Reich und Russland feindlich gegenüberstanden.

Auf der Medaille sieht man ein Band mit der Inschrift „For Valour“ („Für Tapferkeit“), darüber thront die britische Krone, über der wiederum ein Löwe prangt, das Symbol der Königsherrschaft. Auf der Rückseite sind der Name des Regiments oder der Einheit, der Dienstrang sowie der Name des Empfängers eingraviert, wenn möglich, auch der Ort, an dem die rühmliche Tat stattfand. Der Orden ist an einem karmesinroten Band befestigt und wird auf der linken Seite der Brust getragen.

Bis heute haben 1356 Personen das Viktoriakreuz verliehen bekommen. Im Ersten Weltkrieg wurden 634 Soldaten ausgezeichnet, wovon 521 an der Westfront eingesetzt gewesen waren. 138 von ihnen bekamen den Orden posthum verliehen. Das Viktoriakreuz wird auch auf Grabsteinen der Militärfriedhöfe des Commonwealth eingraviert, wenn die Ordensempfänger bei ihrem Einsatz sterben. Zwischen 1914 und 1918 empfingen 472 Briten (Engländer, Waliser, Schotten und Iren), 63 Australier, 63 Kanadier, 20 Inder, elf Neuseeländer, vier Südafrikaner und ein Neufundländer die Auszeichnung.

Das Viktoriakreuz kann auch zweimal verliehen werden. In diesem Fall befindet sich auf dem Band der Medaille eine Spange, die den Ort ihres zweiten verdienstwürdigen Einsatzes nennt. Diese Auszeichnung wird „VC and bar“ (Viktoriakreuz mit Spange) genannt. Nur drei Soldaten haben jemals diese doppelte Auszeichnung erhalten, alle drei während des Ersten Weltkriegs.

Kanada, Australien und Neuseeland haben vor einigen Jahren ein eigenes Viktoriakreuz geschaffen, das ebenfalls die höchste militärische Auszeichnung für die jeweiligen Armeen der Länder darstellt. Die Medaillen ähneln in fast allen Punkten dem britischen Original, lediglich die Devise „For Valour“ ist durch den lateinischen Ausdruck „Pro Valore“ ersetzt.

Edouard ROOSE