Die Landschaft der Schlachtfelder im Jahr 1918

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Die vier Jahre des Stellungskriegs hatten ein Gebiet von riesigem Ausmaß in den Departements Nord und Pas-de-Calais verwüstet: Entlang eines Streifens, der sich von Norden nach Süden entlang der Achse Armentières - Lens - Arras - Bapaume hinzog, hatten Millionen Granaten die Erde aufgewühlt, Bäume zerfetzt und ganze Dörfer und Städte in Ruinen verwandelt und praktisch von der Landkarte gelöscht (Armentières, Lens). Bezeichnet wurde dieser Bereich als Rote Zone – eine Mondlandschaft aus Schutthaufen, zerstörten Kommunikationswegen und Wäldern, von denen nur noch Baumstümpfe übrig geblieben waren.

Die beiden Hauptaufgaben waren zum einen die Beseitigung der Ruinen, zum anderen die Einrichtung von Grabstätten für die zu hunderttausenden gefallenen Kämpfer aller am Krieg beteiligten Armeen. Erst danach sollte mit dem Wiederaufbau der Region begonnen werden. Die erste und lebensnotwendigste Maßnahme bestand darin, die Trinkwasserversorgung wiederherzustellen: Fast alle Brunnen waren zerstört oder verunreinigt worden, einige Quellen waren versiegt. Außerdem mussten provisorische Notunterkünfte errichtet werden, entweder aus gesammeltem Holz oder aus dem Materialbestand der Armeen. Die 1919 begonnene Rückkehr der geflüchteten Bevölkerung erstreckte sich daher über mehrere Jahre.

Die Räumung der Schlachtfelder und die Wiederurbarmachung der Ackerböden dauerten mehr als fünf Jahre: Neben unzähligen Blindgängern mussten Hindernisse wie Unterstände und Stacheldrahtverhaue geborgen und entfernt werden. Im Nord – Pas de Calais betrafen die Aufräumarbeiten ein Gebiet von 178.000 Hektar. Anschließend ebnete man das Land und transportierte den Schutt ab – eine Herkulesaufgabe, insbesondere in dem komplett brachliegenden und als „Rote Zone“ eingestuften Gebiet, umfasste es doch alleine im Departement Nord-Pas de Calais eine Fläche von 26.409 Hektar mit 46 Kommunen.

In einem Gesetz vom 17. April 1919 wurde festgelegt, dass die Behebung der Kriegsschäden dem Staat obliege. Dieser verpflichtete sich dazu, das gesamte als „Rote Zone“ klassifizierte Gebiet zurückzukaufen, obwohl die Kosten für die Instandsetzung den Bodenpreis überstiegen. Der Staat übernahm auch die Wiederherstellung des Katasters und die erneute Grenzziehung zwischen den Grundstücken. In Arras wurde im März 1919 ein Dienst für die Zuteilung von Grundbesitz eingerichtet, der von kommunalen Ausschüssen getragen wurde. Die meisten der zerstörten Kommunen sprachen sich für eine grundlegende Restaurierung aus, die sich an den ehemaligen Grundstücksgrenzen orientieren sollte. Die Verwaltung befürwortete hingegen eine Flurbereinigung. Die Vermessungs- und Grenzscheidungsarbeiten waren 1923 zum größten Teil abgeschlossen. Die finanzielle, administrative und technische Hilfe durch den Staat war zwar beträchtlich, aber der landwirtschaftliche Wiederaufbau wäre ohne das Engagement der Bauern selbst nicht so schnell verlaufen. Er dauerte etwa zehn Jahre.

Der Umfang des Wiederaufbaus war enorm und setzte die Industrialisierung eines großen Teils des Aufbauprozesses voraus. So wurden etwa die Grundgerüste der großen Gebäude aus Stahlbeton errichtet und in den ländlichen Gebieten der traditionelle weiße Kalkstein durch rote Ziegel als Baumaterial ersetzt: Die Dörfer änderten für immer ihre Farbe…

Yves Le Maner,
Direktor von La Coupole,
Zentrum für Geschichte und Erinnerung im Nord – Pas de Calais