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Die Zivilbevölkerung im Kohlebecken unter der Herrschaft der Deutschen

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Die verbliebenen Zivilisten empfanden die Ankunft der Deutschen im Jahr 1914 als äußerst brutal. Viele Zeugen berichteten von Ausschreitungen und/oder Einschüchterungen, die von den Eindringlingen verübt wurden. Das systematische Geiselnehmen von Zivilisten ist ein Beispiel hierfür. Es gab zahlreiche Ausschreitungen (Diebstähle, Plünderungen, Vergewaltigungen etc.). Die schwersten Fälle wurden bei der Invasion von 1914 beobachtet. Sie kosteten mehreren Zivilisten das Leben.

Beim Einmarsch der Deutschen in Pont-à-Vendin am 4. Oktober kam es zum Beispiel zur Hinrichtung eines 17-jährigen Mannes, der unter Verdacht stand, auf Soldaten geschossen zu haben, und zum In-Brand-Setzen von 54 Häusern, unter denen sich auch das Rathaus befand. In Loos-en-Gohelle wurden vier Einwohner, darunter drei Alte, ebenfalls vom Feind erschossen. Der Pfarrer der Gemeinde berichtete: „Die Deutschen banden einen unserer Minenarbeiter an einen Baum. Am nächsten Morgen ließen sie ihn das Grab für die Erschossenen graben." Im Bereich der Stollen 15 und 15a der Minen von Lens wurden drei weitere Zivilisten erschossen.

In den ersten Wochen der Besetzung teilten auch die Städte des Kohlebeckens das Schicksal der meisten besetzten Gebiete: Sie mussten Geldstrafen an die deutsche Militärbehörde zahlen, die als Kriegsbeitrag galten [siehe Dokument im Anhang]. Diese häufig sehr hohen Besteuerungen wurden während der gesamten Besetzungszeit regelmäßig verhängt. Die Stadt Lens zum Beispiel musste dem Besatzer 1915 eine Summe von 9.000 Francs pro Trimester zahlen. Die Bergbaugesellschaften wurden auch „besteuert.“

Die Gesellschaft von Courrières musste zum Beispiel den deutschen Behörden ein Strafgeld von 6,000.000 Francs zahlen. Die Zivilbevölkerung musste sich ebenso zahlreichen Bestimmungen beugen, die durch die Ortskommandanturen festgesetzt worden waren – unter Androhung von einer einfachen Geldstrafe bis hin zur Todesstrafe. So wurde der Bergmann Paul Bussière aus Liévin, der wegen des Besitzes einer Taube festgenommen worden war, am 23. August 1915 erschossen. Der Besitz dieser Tiere war den Zivilisten formal untersagt worden aus Angst vor Spionage.

Im besetzten Gebiet nahe der Frontlinie wurden zivile Arbeitskräfte dazu eingesetzt, dem Besatzer bei der Ausführung von Reparaturarbeiten auf den Straßen zu helfen oder weitere Gräben auszuheben, trotz der Risiken, die eine solche Aktivität mit sich brachte, da man unter Missachtung der internationalen Konventionen ständig dem „feindlichen“ Feuer und den Bombardements ausgesetzt war. Überall mussten die Einwohner eine Sperrstunde einhalten, sich bei Reisen einen (kostenpflichtigen) Passierschein ausstellen lassen und waren an vielfältige Verpflichtungen gebunden.

Einige dieser Verpflichtungen erschienen zwar harmlos („Straßen und Bürgersteige kehren“, „Verbot, den 14. Juli zu feiern“, „die deutschen Offiziere grüßen“), andere waren jedoch mit viel mehr Zwang verbunden (Zwangsarbeit, Evakuierungen), sogar erniedrigend, wie zum Beispiel obligatorische Intim-Untersuchungen der 15- bis 55-jährigen Zivilisten (so in Lens 1916). Trotz ihres jungen Alters wurden auch die Schüler nicht von der Zwangsarbeit verschont. Sie mussten zum Beispiel die Samen der Heckenrose, Brennnesseln oder Konservendosen sammeln, die anschließend dem Besatzer übergeben wurden.

Zu dem strengen Besatzungsregime kamen für die Bevölkerung des Kohlebeckens noch die enormen Schwierigkeiten hinzu, ihren Nahrungsmittelbedarf zu decken. Die vielen Requisitionen, die vom Besatzer durchgeführt wurden, um den eigenen Bedürfnissen nachzukommen – „die gesamte Ernte, Heu, Weizen, Kartoffeln und Gemüse wurden von der deutschen Armee beschlagnahmt“ (Noyelles-Godault, Juli 1915) – verstärkten diesen Nahrungsmangel noch, zumal dieser zu entrichtende Naturalien-Beitrag selten angemessen entschädigt wurde.

In Liévin empörten sich die Anwohner darüber, dass sie mit Wertmarken entschädigt wurden, die auf Deutsch geschrieben und mit der ironischen Bemerkung „nach dem Krieg in Berlin einzulösen“ versehen waren. Obwohl die Versorgungslage der Bevölkerung stets besorgniserregend war, konnte sie dennoch dank der Hilfe des Hispano-Amerikanischen Komitees sowie der Übertragung der Rechte auf die Gemeinden verbessert werden.

Es konnten lokale Versorgungskomitees gegründet und kommunale Wertmarken an die Bevölkerung ausgehändigt werden. Ab April 1915 versorgte die in Loos-en-Gohelle eingerichtete städtische Bäckerei die Einwohner dreimal in der Woche mit Brot und Lebensmitteln. In Lens erhielt die Bevölkerung auf das Betreiben des Bürgermeisters Émile Basly hin, dessen Wirkungskreis über die Grenzen seiner Gemeinde hinausging, täglich 500 Gramm Brot und ein Pfund Speck sowie alle 15 Tage Schweineschmalz vom Hispano-Amerikanischen Komitee.

Die von diesem Komitee bereitgestellten Lebensmittel wurden größtenteils in Carvin zentral gesammelt und per Konvoi auf der Straße oder per Lastkahn über den Fluss Deûle in die Kommunen des Kohlebeckens gebracht. Die kleinen Händler, die ihre Tätigkeit beibehalten hatten, baten die deutschen Behörden regelmäßig um einen Passierschein, um sich auf den Märkten von Douai einzudecken. Die Preise in den Geschäften blieben jedoch für den größten Teil der arbeitenden Bevölkerung unerschwinglich.

Ab Frühling 1916 litten auch die deutschen Truppen, die bis dahin regelmäßig versorgt worden waren, unter dieser schweren Lebensmittelkrise. „Die Lebensmittel wurden immer knapper. Fast kein Fleisch mehr für die Truppe, wenig oder fast kein Zucker oder Kaffee mehr, ein 1kg-Brot pro Tag für vier Personen (...). Während des Winters 1916/17 wurde den Soldaten per Aushang empfohlen, der Zivilbevölkerung nichts mehr zu geben und die Brotkanten zu sammeln, die für die Pferde gedacht waren…“. Die Zivilbevölkerung des Kohlebeckens erlebte während der vier Kriegsjahre eine besonders schwere Zeit. Sie war von ihren Landsleuten isoliert, mangelernährt und ständig von den Besatzern unterjocht.

Die Befreiung 1918 und das darauf folgende Ende der Kämpfe setzte diesen Schwierigkeiten noch kein Ende. Der Großteil der Bevölkerung, die nach und nach vor den alliierten Offensiven zwischen 1917 und 1918 evakuiert worden war, fand bei ihrer Heimkehr eine Ruinenlandschaft und die durch den Feind vor seinem Abmarsch systematisch zerstörten Bergbauanlagen vor.

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Von Yann HODICQ,
Mitglied der
Kommission für Geschichte und Archäologie des Departments Pas-de-Calais

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