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Edouard Roose
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- Lille

Die deutsche Presse

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In den von den Deutschen besetzten Gebieten Frankreichs unterlagen die Tageszeitungen einer strikten Zensur. In der Folge konnten sie die Öffentlichkeit über kaum mehr als die amtlichen Mitteilungen informieren. Die Bevölkerung erhielt daher keinerlei Informationen, die ihr oder das Schicksal der französischen Armee betrafen. Alleine die Deutschen verfügten über das Recht der Informationsvermittlung.

Hierfür gründeten sie im November 1914 die Gazette des Ardennes, die in Charleville-Mézières gedruckt wurde. Zu Beginn erschien die Zeitung wöchentlich, die Auflage war mit 4.000 Exemplaren gering. Sie enthielt in erster Linie ins Französische übersetzte amtliche Mitteilungen. Die Kommandanturen sorgten für die Verbreitung der Zeitung in der Bevölkerung.

In Zusammenarbeit mit dem französischen Journalisten Prévost legten die deutschen Mitlitärs jedoch schon bald die Leitlinien der Zeitung neu fest. Prévost konnte sich mit der Idee durchsetzen, eine Liste der französischen Kriegsgefangenen sowie der in Gefangenschaft verstorbenen Soldaten zu publizieren. Ab April 1915 erschienen mehr als 250.000 Namen in dieser Rubrik.

Damit stieg auch die Auflage in ungeahnte Höhen: Im Oktober 1917 waren es rund 175.000 Exemplare. Die Einwohner des Departements Nord verachteten die Gazette des Ardennes und nannten sie „journal des minteux“ – „Zeitung der Lügner“. Um Informationen zu erhalten, waren sie allerdings auf das Blatt angewiesen. Die letzte Ausgabe erschien am 2. November 1918.

Von Yves Le Maner,
Direktor von La Coupole,
Zentrum für Geschichte und Erinnerung im Nord-Pas-de-Calais


Die Liller Kriegszeitung

Die Liller Kriegszeitung war eine deutschsprachige Zeitung für die Besatzungstruppen und wurde auf den Pressen des besetzten Echo du Nord gedruckt. Es handelte sich dabei um die erste Zeitung dieser Art. Das gesamte Personal bestand aus Deutschen, die Leitung hatten die zwei Schriftsteller Oskar Hoecker und Freiherr Georg von Ompteda übernommen. Als Zeichner kam Karl Arnold vom Münchner Satiremagazin Simplicissimus hinzu. Die Redaktion ließ sich in den Räumlichkeiten des Grand-Echo nieder, neben der Grand-Garde, die permanent von einem bewaffneten Sonderkommando bewacht wurde.

Die Zeitung erschien wöchentlich, zusätzlich brachte die Redaktion jedoch jeden Nachmittag ein kleines Flugblatt mit den letzten Neuigkeiten heraus. Die Liller Kriegszeitung druckte auch verschiedene weitere Arbeiten wie Lille in deutscher Hand. Die Soldaten hatten außerdem Zugriff auf andere deutschsprachige Zeitungen, die in der Rue Nationale in Lille im beschlagnahmten und zum „Haus der Presse“ umfunktionierten Gebäude der Bank Crédit lyonnais verkauft wurden.

Von Claudine Wallart,
Chefkonservatorin des
Kulturerbes am Archiv des Departements Nord.